Die Geschichte Pittenharts

Die ersten Spuren einer Besiedlung im Pittenharter Gemeindegebiet führen in die Steinzeit. Durch den Fund eines Steinbeils in den 1920er Jahren in Apping kann man sehen, dass sich schon in der Steinzeit Menschen in unserer Gegend aufgehalten haben.
Ein Hügelgräberfeld zwischen Taxenberg und Nöstlbach, das in den 1980er Jahren von einem Luftbildarchäologen entdeckt wurde, zeigt auch, dass hier sehr früh Menschen lebten, wenngleich hier eine zeitliche Einordnung sehr schwierig ist.
Eine relativ sichere Einschätzung für eine Besiedlung bringt ein Bronze-Ringbarren -Fund in Aindorf. Solche Depotfunde, die für unsere Gegend nicht ungewöhnlich sind, weisen in eine Zeit um 1800 v. Chr. In die selbe Zeit zeigt der Fund einer Bronzenadel und eine Reihe von Eberzähnen in Heinrichsberg in den 1920er Jahren.

Güldene Salzstraße

Das älteste erhaltene Zeugnis dürfte aber die alte Salzstraße sein, heute wird diese als „Güldene Salzstraße“ bezeichnet. Den Verlauf dieser Altstraße kann man heute noch durch das ganze Gemeindegebiet verfolgen.
An der Straße von Seeon nach Oberbrunn beginnend, zieht sie sich in einem tiefen Einschnitt durch den Höhenberg, über die Windschnur nach Pittenhart. Vorbei am Wirtshaus und der Kirche nach Aindorf und Gramelberg, wo sie das Gemeindegebiet wieder verlässt. Die Straße stellte im Ursprung eine Verbindung zwischen der Alzfurt bei Pullach/Seebruck und der Innfurt bei Urfarn/Wasserburg her. Die Trasse weist wohl in eine vorgeschichtliche Zeit, wo noch keine Brücken vorhanden waren, also in eine vorrömische, keltische Zeit. Der heute geläufige Name „Güldene Salzstraße“ ist eine neuzeitlich Bezeichnung.
Römische Funde an dieser Altstraße belegen, dass aus dieser vorgeschichtlichen Straße eine Römerstraße wurde, mit einer romanisch/keltischen Bevölkerung im Gemeindegebiet.

Die vielen Hochäcker in den Wäldern von Pittenhart weisen auf eine intensive Landwirtschaft in der Vergangenheit. Der Höhenberger Forst zwischen Pittenhart und Seeon und alle anderen Wälder in Pittenhart, sind übersät mit solchen Hochäckern, in einer Größenordnung, die nichts mit einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft zu tun hat.
Anlagen mit einer Länge von 600 Metern, wie sie zwischen Taxenberg und Hinzing erhalten sind, können eigentlich nur durch römischen Großgrundbesitz geschaffen worden sein. Eine mittelalterliche Landwirtschaft kann man hier ausschließen. Wenn man die heutigen Ackerflächen mit einbezieht, wäre in dieser Zeit wesentlich mehr Ackerfläche vorhanden gewesen als heute.

Eine Besonderheit im Höhenberg ist eine Erhöhung, die von den Einheimischen schon immer als „Kanabe“ bezeichnet wurde. Von dort hat man eine schöne Sicht auf dem Chiemsee.
Funde aus einem Zeitraum von 1800 v. Chr. bis ins späte Mittelalter zeigen, dass der Berg als Kultstätte genutzt wurde.
Diese Kultstätte befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Salzstraße, genau so wie die vermuteten Reste einer römischen Villa Rusticae.

Römischer Weihestein

Die Entdeckung eines römischen Weihesteines aus dem Jahre 219 n. Chr. in der südlichen Kirchenmauer von Pittenhart im Jahre 1807/09 ist ein weiteres Indiz für die römische Vergangenheit unserer Gemeinde. Ebenso ein römischer Münzfund westlich von Pittenhart, neben der alten Salzstraße.
Bei dem römischen Weihestein handelt es sich um einen sogenannten Bedaiusstein, einer von 6 Steinen, wie man sie nur im Chiemgau findet.
Aufstellt wurde dieser Stein am 15. Mai 219 vom Tulius Juvenis. Er war Beneficiarius in der II. Italischen Legion, die in Lauriacum/Enns stationiert war. Der Tulius war vielleicht nach Bedaium – Seebruck abkommandiert.

Ein Beneficiarius war ein Soldat im Unteroffiziersrang, der vom normalen Dienst befreit war und Polizei- und Verwaltungsaufgaben wahrnahm. Erkennen konnte man so einen Beneficiarius an seiner Lanze, die eine ganz besondere Form hatte.
Geweiht hat Tulius diesen Stein den Gottheiten Jupiter Arubiano und dem Bedaio Sancto. Ob der römische Göttervater Jupiter hier den Beinahmen Arubiano hat oder Jupiter Arubiano eine eigene Gottheit war, ist nicht bekannt. Bedaio Sancto war wohl eine keltische Lokalgottheit, die nur am Chiemsee vorkommt und die auch Namensgeber für die römische Straßenstation Bedaium war.

Tulius Juvenis entstammte offensichtlich aus einer einheimischen Familie. Auf einem Eggstätter – Mauerkirchner Grabstein, der in einer Zeit um 180/190 n. Chr. gefertigt wurde, erscheint der Name „Bessa“ und sie wird als „Tochter des Juvenis“ bezeichnet.
Der Pittenharter Weihestein wurde schon nach seiner Auffindung von dem Landrichter Klöckl nach Rosenheim verbracht und anschließend nach München, wo er in den Wirren des II. Weltkrieges zerstört wurde oder verloren ging. Da der Stein wissenschaftlich untersucht und vermessen wurde, eine genaue Zeichnung und eine Fotografie angefertigt wurde, die sich erhalten haben, konnte der Stein rekonstruiert werden.

Der Text lautet:
Iupiter Optimus Maximus Arubiano et Bedaio Sancto
TULius IUVENIS BF (Beneficiarius) COS (Consularis)
LEGion II ITALische ANTONINNI
Votum Solvit Libens Merito
IDIB MAIS …
Der vollständige Text lautet:
Dem mächtigsten und größten Jupiter Arubianus und dem heiligen Bedaius, hat Tulius Juvenis, konsularischer Beneficiarius der II. italischen Antoninianischen Legion, sein Gelübde gern und nach Gebühr eingelöst, an den Iden des Mai als unser Herr und Kaiser Antonius zu 2. Mal und Sacerdote Consuln waren.

Der genannte Kaiser Antonius war Kaiser Elagabal, der 218 n. Chr. durch eine Militärrevolte Kaiser wurde und im Jahr 222 n. Chr. von meuternden Soldaten ermordet wurde.
Elagabal verfiel der „damnatio memoriae“, das heißt, er wurde aus der Erinnerung gelöscht. Sein Name wurde aus allen Inschriften heraus gemeißelt. Aus dem Pittenharter Stein wurde die letzten zwei Zeilen ganz und die drittletzte zum Teil gelöscht.
Aus welchen Grund Tulius Juvenis diesen Stein aufstellen lies, ist nicht sicher. Da es relativ viele solche Benficiarier-Steine gibt, wird der Tulius diesen Stein aus Dank dafür, dass er dieses Amt erhalten hat, aufgestellt haben.

 

 

Bajuwarische Gräber

Zwei bajuwarische Gräberfelder, in Oberbrunn und in Pittenhart, zeigen, dass sich schon sehr früh germanische Gruppen in unserem Gemeindegebiet niederließen. In Oberbrunn bei dem Anwesen Brachmaier wurden im vorigen Jahrhundert mehrere früh-bajuwarische Gräber untersucht. Eine Vielzahl von Gräbern ist aber durch den Kiesabbau verloren gegangen. Ein weiteres Grab wurde in den 1980er Jahren bei dem Anwesen Brandbinder gefunden.
In Pittenhart wurden schon im vorletzten und im letzten Jahrhundert ein früh mittelalterliches Gräberfeld bei dem Anwesen Bandler untersucht.

Pittenhart

Der Name Pittenhart erscheint um 1150 das erste mal in einer Herrenchiemseer Urkunde.
Gerung von Steteheim (Stöttham / Chieming) schenkte damals dem Kloster Herrenchiemsee ein Gut in Hadelharting (Allerding / Pittenhart). Als Zeugen erscheinen Arbo von Putenhart, Fridrich von Eschenau und Gotfried von Pavolding. Dieser Arbo ist auch um 1170 Zeuge in einer Salzburger Urkunde, als Etich von Schnaitsee ein Gut in Rinkertsham an das Kloster Herrenchiemsee schenkte.
1170/80 ist im Falkenstein Codex eine weitere Erwähnung des Ortes Putenhart, als Haidvolk von Velben (Felben / Pinzgau) einige Höfe in Guntersberg und die dortige Kirchenvogtei an den Grafen von Falkenstein gab.
In dieser Falkensteiner Rechtsaufzeichnung aus dem 12. Jahrhundert, werden auch noch andere Orte der Gemeinde genannt: Aiglsham, Aindorf, Allerding, Eschenau, Fachendorf, Hinzing, Niederham und Nöstlbach.
Durch die Entdeckung des römischen Bedaiusstein 1807/09, wurde Pittenhart für die lange gesuchte römische Straßenstation Bedaium gehalten. Durch diesen Umstand wurde der Name Pittenhart mit der keltischen Gottheit Bedaius in Verbindung gebracht.
Der Wortteil „hart“ weist auf eine bestimmte Art von Wald oder Forst. Folglich deutete man den Namen Pittenhart als Wald des Bid / Bedaius. Nachdem man aber Seebruck als das römische Bedaium erkannte, hat sich diese Deutung erledigt.
Für den Wortteil „Puten/Püten – Pitten“ könnte ein Personenname, wahrscheinlicher aber ein Flurname, als Hintergrund stehen.

Eschenau

Eine besondere Stellung wird im 12. Jahrhundert der Ort Eschenau gehabt haben. Pilgrim von Eschenau, sein Sohn Friedrich und sein Enkel Friedrich II werden in Salzburger Urkunden und im Codex Falkenstein sehr oft genannt. Eine noch gut erhaltene Wehranlage bei Eschenau untermauert die Stellung der Eschenauer.

Oberbrunn
Die erste namentliche Erwähnung eines Ortes aus der Gemeinde ist aus dem Jahre 924.
Die Brüder Egilolf und Waltker tauschten zu dieser Zeit mit dem Bischof von Salzburg ihr Gut in Brunn (Oberbrunn) gegen ein anderes in Arnesdorf. Dass Oberbrunn eine römische Vergangenheit hat, ist sicher. Schon 1840/60 wurden bei Bauarbeiten die Grundmauern einer Römischen Villa Rusticae gefunden.
Die Geschichte von Oberbrunn ist in der Zeit vom 11. bis ins 15. Jahrhundert sehr unsicher. Aufgrund der vielen Orte mit dem Namen Brunn in unserer Gegend, ist eine Zuordnung oft sehr schwierig. Im 15. Jahrhundert erscheinen aber mehrere Hans Brunner zu Brunn als Umgelder (Steuereinnehmer) von Obing.
Das Schloss Oberbrunn ist um 1520 in die Hände von Hanns Sunthaimer, Umgelder von Obing und Richter in Seeon, gekommen. Hanns Sunthaimer stammte vermutlich aus einem schwäbischen Adelsgeschlecht aus Sontheim oder Obersontheim. Zu dieser Zeit könnte das Schloss und die Schlosskapelle neuerbaut oder vergrößert worden sein. 1531 bekam Hanns Sunthaimer das Hofmarksrecht über Oberbrunn.
Voraussetzung für den Erhalt des Hofmarksrechtes war ein geschlossener Herrschaftsbezirk. Sunthaimer hat diesen geschlossenen Bezirk wahrscheinlich vor 1531 erst geschaffen, in dem er vermutlich Besitzungen vom Kloster Seeon und vielleicht von Hartmannsberg dazu erwarb.
Der Sohn von Hanns Sunthaimer, Hanns II, scheint 1569 in finanzielle Schwierigkeiten gekommen zu sein, denn 1570 kauften die Sonderndorfer zu Anzing den Sitz Oberbrunn und Anfang des 17. Jahrhunderts ging Brunn durch Heirat an die Armannsberger über.
1752 kaufte der Hofkammerrat Kretz die Brunner Hofmark. 1760 folgten dann die de la Rosee`s und im 19. Jahrhundert die Belli de Pino`s. 1892 kaufte der Kunstmaler N. Steinheil das Schloss, renovierte es und verkaufte es 1899 an Freiherr Theodor von Kramer Klett.
Ab 1905 überließ er das Schloss dem Verein Kinderschutz. Dieser errichtete im Schloss eine Mädchenschule. 1919 wurde das Schloss wieder verkauft, an Herrn Illing aus München. 1924 kaufte es Paul Naber aus Reydt und 1937 Konsul Franz Merkle. 1954 wurde das Schloss Oberbrunn geteilt. Das Schloss kaufte die Arbeiterwohlfahrt, die Ökonomie erwarb die Familie Streit.

 

Gemeinde

Ab dem 10. Jahrhundert hatte Pittenhart einen starken Bezug zum Kloster Seeon. Das Kloster war bis zu Säkularisation 1803 Grundherr vieler Pittenharter Bauern, worin sich auch zum Teil das Pittenharter Wappen widerspiegelt – einerseits das Seerosenblatt des Seeoner Klosters, andererseits die gekreuzten Lilienstäbe (Zepter – Streitkolben) aus dem Wappen der Sonderndorfer, die ab 1570 auf Oberbrunn saßen.
Das Gemeindegebiet von Pittenhart war schon im 15. Jahrhundert durch die „Obmannschaft Pütenhart“ fest eingegrenzt.
Aus der alten Obmannschaft Pittenhart wurde mit Hinzunahme der Hofmark Oberbrunn 1818 die Gemeinde Pittenhart.
Pittenhart befindet sich seit 1978 in einer Verwaltungsgemeinschaft mit den Gemeinden Obing und Kienberg, mit Sitz in Obing.

Kirche

Die Kirche von Pittenhart wird das erste mal 1195 in einer Salzburger Urkunde, als Filiale der Pfarrei Obing, genannt. Ebenso die Kirche von Eschenau und die Kapelle von Oberbunn.
Im 14. Jahrhundert wurde die Kirchengemeinde in Pittenhart als Kreuztracht Pütenhart bezeichnet. Zu dieser Zeit wurde die Kirche mit einem Vikar aus dem Kloster Seeon versehen.
1806 wurde die Filialkirche Pittenhart zur eigenen Pfarrei erhoben. Erster Pfarrer war der Maria Ecker Conventuale Bernhard Sellmaier.
1846 – 48 wurde die Pfarrkirche größtenteils neuerbaut. Altarraum, Turm und die südliche Kirchenmauer, sowie die daran angebaute Marienkapelle, blieben vom Vorgängerbau erhalten. 1882 wurde der um 1740 erbaute Zwiebelturm abgebrochen und durch die heutige Turmspitze ersetzt.

 

Schule

Durch den Neubau des Pfarrhofes, konnte 1809 das alte Vikarhaus zum Schulhaus umgewandelt werden und dadurch zwei Vorgängerschulen im Mesner- und im Hilgerhaus, ersetzt werden. Erster Lehrer an dieser Schule war Abraham Keiler. 1869 wurde das Vikarhaus nach Süden vergrößert und mit einem zweiten Schulsaal ausgestattet.

1903 wurde an der Straße nach Fremdling eine neue Schule erbaut, mit zwei Schulräumen, einer Lehrerwohnung und der Gemeindekanzlei. Diese Schule wurde 1960 auf 4 Schulräume vergrößert und wird bis heute als Grundschule genutzt. Seit 1969 ist Pittenhart im Schulverband Obing. Haupt- und Mittelschule ist in Obing.

Sebastian Guggenhuber