Die Geschichte des Schloss Oberbrunn

Die Geschichte von Schloss Oberbrunn beginnt in den Jahren 1530 bis 1535. Hans I. Sunthaimer ließ in diesen Jahren das Gebäude errichten. Am 27. April 1531 wurde Hanns Sunthaimer zum freien Landsassen ernannt, er erhielt das Hofmarksrecht für den Sitz Oberbrunn.

Die Geschichte dieses Platzes beginnt aber wesentlich früher:

Ganz in der Nähe wurden vor wenigen Jahren Gräber aus vorchristlicher Zeit gefunden. Oberbrunn war also lange besiedelt. Im unteren Geschoss des Schlosses ist bis heute eine Römersäule integriert, die vermuten lässt, dass an dieser Stelle schon ein römisches Kastell stand. Spuren der alten Handelsstraße, auf der von Salzburg über Obing kommend, das Salz in Richtung München transportiert wurde, sind heute noch zu finden.

Die Zeit bis 1530

Aus dem ersten Band des Salzburger Urkundenbuchs geht ein Gütertausch hervor, den die edlen Brüder Eginolf und Walter mit ihrem Verwandten dem Erzbischof Odalbert von Salzburg (923 bis 935) auf der Insel Herrenchiemsee am 1. November 924 in Anwesenheit des Vogtes und Grafen Chadalhoch I. (gestorben um 959) beurkundeten.

Es handelte sich um die Güter von »Brunn« (in loco Prunna) die mit »Arnesdorf« (in loco Arnesdorf; = Ernsdorf, Gemeinde Prien) getauscht. Aribo I., der Sohn des Grafen Chadalhoch I. Aribo I. gründete im Jahre 994 das Benediktinerkloster Seeon.

Der Erzbischof setzte in Brunn jeweils einen Ministerialen ein. Diese besaßen das Gut als Lehen des Erzbistums. Die Ministerialen waren ehemalige Unfreie, die durch ihre gehobene Berufstätigkeit in der Verwaltung oder als Soldaten im Dienste eines kirchlichen oder hochadligen Herrn, durch ihren Besitz und auch ihre Heiraten in den Adel eindrangen. Nach ihrer Verbindung mit den Rittern bildeten sie den niederen Adel.

Im Codex Falkensteinensis, einer Rechtsaufzeichnung der Grafen von Falkenstein aus dem 12. Jahrhundert wird erwähnt, dass im Jahr 1168 Odelricus de Brunnen als Zeuge einer Schenkung des bayerischen Herzogs an Graf Siboto IV. Auftrat. Dies ist die zweite existierende Erwähnung von Ober- und Niederbrunn.

Das Hochstift Salzburg, dem kirchlich das Gebiet bis an den Inn zugeordnet war, besaß vom 10. bis 12. Jahrhundert in unserem Raum Güter in Breitbrunn, Gstadt, Eggstätt, in der Gemeinde Pittenhart in Aiglsham und Hinzing und in Ober- und Niederbrunn. Mit der 1248 erfolgten Übernahme von Wasserburg und Hartmannsberg sowie der Vogtei über das Kloster Seeon kam unser Raum zunehmend in den Machtbereich der Wittelsbacher und der Salzburger Einfluss wurde stark zurückgedrängt.

Die Familie Prunner hat bereits 1374 dem oberbayerischen Landstand angehört. 1419 wird Hanns Prunner als Umgelder von Obing erwähnt. Seine Aufgabe war es, an den Mautstellen die Steuer auf den Verkauf von Getränke und Vieh zu kassieren. Um 1490 wurde in der Landtafel Herzog Georg des Reichen unter Pfleggericht Kling ein »Hanns Pruner zu Prun« eingetragen. Der Sitz der Familie Prunner war noch kein Schloss, es war eher ein gut ausgestatteter Gutshof.

Um 1528 wird Hanns I. Sunthaimer Besitzer von Oberbrunn. Er läßt an Stelle des Gutshofes das Schloss Oberbrunn von Grund auf neu erbauen. Die Schlosskapelle weihte am 22. April 1536 der Bischof von Chiemsee, Philipp von Lavant.

Die Zeit nach 1530

Am 11. März 1531 bestätigte Herzog Wilhelm IV. von Bayern (1508 bis 1550) die vom Hanns Pienzenauer auf den Hanns Sunthaimer gewechselte Vogtei zu Oberbrunn. Am 27. April 1531 wurde Hanns Sunthaimer zum freien Landsassen ernannt. Er erhielt sämtliche Güter in Oberbrunn. Dafür musste er »in Kriegsläuften« mit einem gerüsteten Pferd dem Herzog Gefolgschaft leisten.

Schloss Oberbrunn bildete von nun an eine geschlossene weltliche Hofmark. Der Besitzer verfügte über die niedere Gerichtsbarkeit und konnte über seine Untertanen Gericht halten – ausgenommen waren nur die schweren Vergehen des Diebstahls, der Notzucht und der Tötung. Die Gefängniszellen lagen im Keller des Schlosses, wo sich auch die Sakristei für die Schlosskapelle befand.

Sunthaimers Eltern waren Erhart Sunthaimer, (gestorben nach 1485) und Margarethe von Truchtlaching zu Poing (gestorben nach 1485), die wahrscheinlich 1466 geheiratet hatten. Die Sunthaimer waren ein altes Rittergeschlecht aus dem Schwäbischen.

Hanns Sunthaimer war Pfleger des herzoglichen Amtes Brannenburg, Markt- und Landrichter von Rosenheim, Richter in der Klosterhofmark Seeon und Umgelder in Obing, fürstlicher Rat und Rentmeister in Burghausen, sowie Landschreiber und Pfleger im Pfleggericht Trostberg. Er starb 1541 und wurde in der Barbarakapelle im Kloster Seeon beerdigt.

Sein Sohn, Hanns II verkaufte 1570 die Hofmark Oberbrunn an Hanns Egidius Sonderndorffer zu Polling. Hanns II. Sunthaimer, war etwa von 1542 bis 1572 Umgelder in Obing, er starb 1577. Hanns Egidi Sonderndorffer war Pfleger zu Polling und Fürstlicher Rat zu Burghausen, verheiratet mit Elspeth Hohenkircher von Iffldorf und in zweiter Ehe mit Euphrosina Wanninger zu Obing.

Die Sonderndorffer saßen im 14. Jahrhundert auf dem Sitz Anzing (Landkreis Ebersberg). Im Landshuter Erbfolgekrieg 1503/05 diente Hanns Sonderndorffer dem Herzog Albrecht IV. von München unter anderem als Futtermeister. Dafür erhielt er 1507 das Schloss Ybm im Innviertel. 1530 erwarb Hanns Sonderndorffer den Sitz Polling im Innviertel. Er verstarb 1606 als letzter seines Geschlechts.

1607 wird Oberbrunn als geschlossene Hofmark mit Schloss und Dorf beschrieben. Niederbrunn gehörte niedergerichtlich zur Hofmark Oberbrunn, grundherrschaftlich aber zum Kloster Seeon .

Auf dem Erbwege gelangte Oberbrunn in den Besitz der Armannsperger. Oberbrunn war von 1607 bis 1753 in ihrem Besitz. 1719 wurde das Geschlecht in den Freiherrenstand erhoben und 1790 in den Reichsgrafenstand.

1639 wurde die Hofmark »Prunn« beschrieben: »Die ist von alter hero ain gefreithe Hofmarch alda Hannß Wilhelm von Armansperg wohnt welcher sonnsten auch ainschichtige Edlmannsgüettern im Gericht hat, denen man alda alß ainem Landsessen der nider Gerichtbarkhait dabey bestendtig.

Seit 1737 besaß Witwe Maria Sophia Adelheid Freifrau von Armannsperg zu Schönberg, Kay, Frabertsham und Oberbrunn, eine geborene Freiin von Schrenckh auf Notzing, als Witwe und Vormünderin die Hofmark und die genannten Edelsitze. 1748 erbte Franz Xaver Joseph Ignaz Freiherr von Armannsperg Oberbrunn und Frabertsham.

1752 erwarb Joseph Ignaz Krez aus München, kurfürstlicher Hofkammerrat und Hofzahlmeister, die Hofmark Oberbrunn und den Sitz Frabertsham. Die Edelmannsfreiheit verlieh ihm Kurfürst Maximilian III. Joseph (reg. 1745 bis 1777) 1753. Krez kümmerte sich zunächst sehr um seinen neuen Besitz und ließ die Hofmark Oberbrunn mit vielen topographischen Details kartographisch darstellen. Bereits nach acht Jahren verkaufte er Oberbrunn und Frabertsham.

Franz Seraph Basselet de La Rosè, erwarb Oberbrunn und Frabertsham 1760. Er war Obrist und »Inhaber eines Regiments zu Fuß«. Die Familie stammte ursprünglich aus Spanien und kam über die Niederlande nach Bayern.

1851 erwarb Hauptmann Karl Max von Belli di Pino aus München den Besitz Oberbrunn, dem Karl von Belli di Pino und Alfons von Belli di Pino folgten. Letzterer sperrte die Schlosskapelle zu und ließ sie verkommen. Nach dessen Tod 1891 wurde der größte Teil der Waldungen an die Müllerin von Roitham verkauft, die sie ziemlich abholzen ließ.

Das Schloss erhielt der Kunstmaler Steinheil aus München 1891 für 56000 Mark. Nach gründlicher Renovierung verkaufte er es acht Jahre später an Theodor Freiherr von Cramer-Klett auf Hohenaschau für 72000 Mark. Cramer-Klett überließ ab 1905 die Räume der Mädchenerziehungsanstalt Schloss Oberbrunn, die hier eine Schule errichtete, die nach einigen Verhandlungen auch die Kinder von Oberbrunn als Volksschule besuchen durften. Nach Verkauf des Schlosses 1919 an Werlin-Illig aus München wurde die Anstalt nach Grabenstätt verlegt. Die Brunner Kinder mussten wieder in die Volksschule in Pittenhart gehen.

Das Schloss erwarb drei Jahre später der Großkaufmann Paul Naber aus Rheydt im Rheinland. 1936 veräußerte seine Witwe das Schloss an den Konsul Merkle aus Nürnberg. Auch er behielt es nur einige Jahre und verpachtete die Räume an die „Arbeiterwohlfahrt“, die es 1954 auch käuflich erwarb. Die zugehörigen Moorflächen wurden parzelliert vergeben, die Landwirtschaft erwarb Familie Streit. Im Zweiten Weltkrieg hatte das Obergeschoss bereits als Herberge für Evakuierte gedient; jetzt konnten sich Berliner Kinder hier erholen.

Die Arbeiterwohlfahrt baute das Schloss bei Erhaltung der Außenfassade innen um und fügte 1967/68 einen Neubau an, zur Unterbringung der Erholungssuchenden. Immerhin 30 Jahre konnte sich der Betrieb halten. 1985 erwarb die Karl Rubenberger KG, Erding das Schloss Oberbrunn.